Christoph Kramer – Das Leben fing im Sommer an (Rezension)

Buchcover Christoph Kramer – Das Leben fing im Sommer an
(Copyright: Kiepenheuer & Witsch)

Erscheinungsdatum: 13.03.2025
(Kiepenheuer & Witsch, 256 Seiten, ISBN 978-3462007985)

Erhältlich bei:

Inhalt

Es ist der Sommer 2006, geprägt von der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland und immer neuen Hitzerekorden. Der 15-jährige Chris lebt auf einem Bauernhof, träumt davon, Fußballprofi zu werden, und verbringt die heißen Sommertage im Freibad oder auf dem Dach der alten Scheune mit seinen besten Freunden.

Doch eine Sache steht in diesem Sommer noch mehr im Vordergrund für Chris als Fußball: Debbie, das coolste Mädchen der Schule, scheint Interesse an ihm zu zeigen. Zwischen dem ersten Verliebtsein, dem Zelebrieren seiner Freundschaften und einem unvergesslichen Roadtrip erlebt Chris drei Tage, die sein Leben für immer verändern.

Meine Meinung

Dass Fußballspieler irgendwann mal ein Buch schreiben, ist zwar nichts Ungewöhnliches – meistens handelt es sich allerdings um Autobiographien, die die eigene sportliche Laufbahn im Rückblick beleuchten und sehr häufig in Zusammenarbeit mit Ghostwritern verfasst werden.

Christoph Kramer, der 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft in Brasilien Weltmeister wurde, geht mit seinem autofiktionalen Debütroman einen anderen Weg. War es der richtige?

Aus meiner Sicht ganz klar ja, denn „Das Leben fing im Sommer an“ gelingt es ganz wundervoll, die Leserinnen und Leser voller Nostalgie direkt in diesen unvergleichlichen Sommer 2006 zu versetzen. Auch wenn ich damals schon kein Teenie mehr war – die Euphorie rund um die Fußball-WM in Deutschland und die einzigartige Atmosphäre, die das Land zu dieser Zeit erfüllte, sind mir noch gut im Gedächtnis und wurden beim Lesen des Romans wieder präsent. Diese Fähigkeit, Bilder und Gefühle wachzurufen, macht für mich eine große Stärke der Geschichte aus.

Und trotzdem: „Das Leben fing im Sommer an“ ist auf keinen Fall ein „Fußballbuch“. Zwar  spielt Fußball eine große Rolle in Chris‘ Leben – gerade ist er aus der Jugendmannschaft von Bayer Leverkusen geflogen und abgrundtief enttäuscht darüber. Das zentrale Thema des Romas ist aber ein anderes: Christoph Kramer betont in seiner Geschichte vielmehr die universellen Aspekte des Erwachsenwerdens – Unsicherheiten, Träume, erste Liebe und die Bedeutung von Freundschaften.

Eigentlich sind es ziemlich „normale“ Dinge, die Chris an diesen drei Sommertagen erlebt, und gerade das hat mir sehr gut gefallen. Im Gegensatz dazu erlebte der Protagonist Krüger in Christian Hubers thematisch vergleichbarem Coming-of-Age-Roman „Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ schon zu viel Abgedrehtes für nur einen einzigen Tag, und die Nebenfiguren fand ich teilweise etwas überzeichnet.

Bei Christoph Kramer hingegen wirken die Charaktere authentisch und lebendig, und sein Schreibstil hat eine wunderbare Leichtigkeit, die das Lesen besonders angenehm macht. Chris’ Entwicklung im Laufe der drei Tage – von seinen Selbstzweifeln bis hin zur Akzeptanz seiner eigenen Stärken – ist inspirierend und berührend. Der nächtliche Roadtrip und die Szenen mit Debbie stechen als emotionale Höhepunkte des Buches hervor und haben mich besonders berührt, ebenso die enge Verbindung zwischen Chris und seinen Freunden Johnny und Salvo.

Es ist beeindruckend, wie Kramer auf relativ wenigen Seiten die Gefühle des Erwachsenwerdens einfängt, die Höhen und Tiefen, die Suche nach Zugehörigkeit und die Erkenntnis, dass wahre Freundschaften und eigene Erfahrungen das Leben bereichern.

Ich habe das Buch geradezu verschlungen und finde es bewundernswert, dass ein Autor, der aus der Welt des Fußballs kommt und sich hier doch einem ganz anderen Thema widmet, ein so berührendes und tiefgründiges literarisches Debüt geschaffen hat.

Thalia
(*)

Fazit

Christoph Kramer hat mit „Das Leben fing im Sommer an“ definitiv einen Nerv bei mir getroffen. Ich fühlte mich sehr in die beschriebene Zeit zurückversetzt und habe deshalb auch echtes Interesse an Chris‘ Geschichte entwickelt.

Das Buch ist sehr gut auch für Leserinnen und Leser geeignet, die sich weniger für Fußball oder Kramer als Person interessieren. Tatsächlich liest sich der Roman eher wie ein liebevoller Blick zurück auf die magischen und oft chaotischen Momente der Jugend – große Empfehlung und nicht nur geeignet als Sommerlektüre!

Bewertung

(Danke an Kiepenheuer&Witsch und Netgalley für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars. Keine weitere Vergütung erhalten.)

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